7 Jahre Tagesgruppe Am Wäldchen
Ein siebenjähriges Jubiläum ist ein guter Anlass, innezuhalten, zurückzublicken und gemeinsam zu feiern. Der Tag der offenen Tür in der Tagesgruppe am Wäldchen am 14. Oktober bot dafür den passenden Rahmen: Mitarbeitende, Kolleg:innen aus der Rostocker Stadtmission, Vertreter:innen anderer Träger und Ansprechpartner:innen kamen zusammen, um Einblicke in die pädagogische Arbeit zu gewinnen und das Jubiläum gemeinsam zu begehen.
„Von Anfang und Ende und Ich mittendrin“
Wie entwickeln sich junge Menschen? Welche Schritte haben sie bereits geschafft? Und wie können pädagogische Fachkräfte sie auf ihrem individuellen Weg unterstützen?
Diesen Fragen widmete sich der Rundgang unter dem Titel „Von Anfang und Ende und Ich mittendrin“. Anhand anschaulicher Beispiele und vielfältiger pädagogischer Methoden wurden Entwicklungsschritte und Erfolge der Kinder und Jugendlichen sichtbar gemacht.
Ein besonderer Fokus lag auf traumapädagogischen Elementen in der Tagesgruppenarbeit. Methoden zur Stabilisierung und Psychoedukation unterstützen die jungen Menschen dabei, sich selbst und ihre Erfahrungen besser zu verstehen, Sicherheit zu gewinnen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken. Auch die Familien werden in diesen Prozess einbezogen und in ihrer Entwicklung begleitet.
Der Rundgang machte deutlich, wie vielschichtig und individuell diese Arbeit ist – und wie wichtig ein verlässlicher Rahmen, tragfähige Beziehungen und ein engagiertes Team für gelingende Entwicklungsprozesse sind.
Von einer Idee zu einem gemeinsamen Schwerpunkt
Reinhard Behrens, Vorstand der Rostocker Stadtmission, erinnerte an den ersten Kontakt mit dem Team der Tagesgruppe, bei dem die Schwerpunktsetzung auf Traumapädagogik ihren Anfang nahm.
Aus diesem Impuls entwickelte sich ein nachhaltiger Weg: Die Rostocker Stadtmission etablierte einen eigenen Trauma-Qualifikationskurs, an dem Mitarbeitende teilnahmen. Damit wurde die fachliche Auseinandersetzung mit Traumapädagogik gezielt gestärkt und ein wichtiger Beitrag zur Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit geleistet.
Das Jubiläum bot zugleich Gelegenheit, über die Perspektiven der Jugendhilfe nachzudenken. Eine zentrale Frage lautete: Was braucht der junge Mensch danach?
Denn Entwicklung endet nicht mit dem Ende einer Betreuungsphase. Junge Menschen benötigen auch im Anschluss verlässliche Unterstützung und passende Angebote. Besonders der Übergang in die Zeit nach dem zwölften Lebensjahr stellt die Jugendhilfe vor wichtige Aufgaben. Wie kann die Rostocker Stadtmission ihre Angebote so ausrichten, dass junge Menschen auch in dieser Lebensphase die Unterstützung erhalten, die sie brauchen? Diese Frage bleibt ein wichtiger Auftrag für die weitere fachliche und konzeptionelle Entwicklung.
Die Sieben und die Vollkommenheit
Neben den fachlichen Einblicken durfte natürlich auch der Geburtstag gefeiert werden.
Katharina Gladisch, Leiterin christliches Profil, griff in ihren Glückwünschen die besondere Bedeutung der Zahl Sieben auf: In der biblischen Tradition steht sie für Vollkommenheit. Sechs Tage Arbeit und Entwicklung, gefolgt von einem Tag der Ruhe und des Genusses – eine schöne Vorstellung, die beim Jubiläum für Schmunzeln und gute Stimmung sorgte.
Doch hinter der Zahl steckt noch eine andere Botschaft. Denn der Alltag von Kindern, Jugendlichen und pädagogischen Mitarbeitenden ist längst nicht immer vollkommen oder rosig. Es gibt Herausforderungen, Rückschritte und anstrengende Tage. Umso wichtiger ist es, den Blick nicht nur auf das zu richten, was noch erreicht werden soll, sondern auch auf das, was bereits da ist.
Die Botschaft zum siebenjährigen Bestehen der Tagesgruppe lautete deshalb:
„Ihr müsst nicht erst vollkommen werden, ihr seid es schon.“
Diese Worte würdigen die jungen Menschen mit ihren individuellen Stärken, Erfahrungen und Entwicklungsschritten. Sie erinnern daran, dass Wertschätzung nicht an Bedingungen geknüpft ist und jeder Mensch angenommen werden darf, so wie er ist.
Gleichzeitig bleibt die Einladung bestehen, neugierig zu bleiben, sich weiterzuentwickeln und gemeinsam neue Wege zu entdecken. Vollkommenheit bedeutet hier nicht Stillstand, sondern auch, das bereits Erreichte anzuerkennen und sich selbst und anderen mit Vertrauen zu begegnen.
Sieben Jahre Tagesgruppe am Wäldchen – das sind sieben Jahre Beziehung, Stabilisierung, Entwicklung und gemeinsames Lernen.
Das Jubiläum war zugleich eine Gelegenheit, Danke zu sagen: für die engagierte Arbeit des Teams, für die Zusammenarbeit mit Familien und Partner*innen und für all die kleinen und großen Entwicklungsschritte, die die Tagesgruppe am Wäldchen jeden Tag begleiten darf.
Wir gratulieren herzlich zum Jubiläum und wünschen dem gesamten Team weiterhin viel Freude an seiner wichtigen Arbeit, Mut für neue Wege und die Neugier, sich gemeinsam weiterzuentwickeln.
Und vor allem wünschen wir allen jungen Menschen, die hier begleitet werden, dass sie diese Botschaft mitnehmen können: Ihr seid wertvoll. Ihr dürft euren eigenen Weg gehen. Und ihr müsst nicht erst vollkommen werden.
7 Jahre - ein Grund zum Feiern
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