Die offene Sprechstunde der Stadtmission
Zeit zum Gespräch
Manchmal braucht es nicht sofort eine Lösung. Manchmal braucht es zunächst jemanden, der zuhört. Genau hier setzt die Offene Sprechstunde der Rostocker Stadtmission an. Sie bietet Menschen einen niedrigschwelligen Raum, um über persönliche Sorgen, belastende Situationen und Fragen des Lebens ins Gespräch zu kommen.
Im Mittelpunkt steht das Gespräch auf Augenhöhe. Die ehrenamtlich tätigen Beraterinnen und Berater nehmen sich Zeit, hören zu, fragen nach und helfen dabei, Gedanken und Gefühle zu sortieren. Dabei kann es um ganz unterschiedliche Themen gehen: familiäre Konflikte, Einsamkeit, Ängste, Überforderung, berufliche oder persönliche Veränderungen oder einfach um eine Situation, bei der man gerade nicht weiß, wie es weitergehen soll.
Die Offene Sprechstunde versteht sich dabei ausdrücklich als Beratungsangebot und nicht als Psychotherapie. Wenn sich im Gespräch zeigt, dass eine weitergehende oder therapeutische Unterstützung sinnvoll ist, können die Ratsuchenden an geeignete Fachstellen weitervermittelt werden.
Ein geschützter Raum für persönliche Anliegen
Für viele Menschen ist der erste Schritt besonders schwer: Wie beginne ich ein Gespräch über etwas, das mich belastet? Muss mein Problem überhaupt „groß genug“ sein, um mir Hilfe zu holen?
Die Offene Sprechstunde möchte genau diese Hürde möglichst niedrig halten. Die Ratsuchenden müssen ihr Anliegen nicht perfekt formulieren und auch nicht bereits wissen, welche Unterstützung sie benötigen. Sie können einfach kommen und erzählen, was sie beschäftigt.
Ein Beispiel dafür erzählt Marie, die sich seit dreieinhalb Jahren ehrenamtlich in der Offenen Sprechstunde engagiert. Sie erinnert sich an ein Gespräch mit einem Menschen, der zunächst sehr aufgeregt war und gar nicht wusste, wie er anfangen sollte. Marie hörte zu – auch dem Schweigen. Durch vorsichtiges Nachfragen entwickelte sich daraus schließlich ein Gespräch über die Lebensgeschichte des Menschen.
Am Ende stand ein Satz, der die Bedeutung dieses Angebots auf besondere Weise beschreibt: „Sie haben mir sehr geholfen.“
Für Marie sind solche Begegnungen ein wichtiger Teil ihres Ehrenamts. Die Gespräche empfindet sie als bereichernd und sinnstiftend.
Ehrenamt braucht einen verlässlichen Rahmen
Damit die ehrenamtlich Beratenden ihre Aufgabe gut und sicher wahrnehmen können, braucht es klare Strukturen und Begleitung. Dazu gehören ein klarer Auftrag, verlässliche Absprachen, Möglichkeiten zum fachlichen Austausch und Fortbildungen sowie eine wertschätzende Begleitung des Engagements.
Erdmuthe Großer-Bald, Koordinatorin der Offenen Sprechstunde, betont: „Ehrenamtlich Tätige brauchen Klarheit über ihren Auftrag und einen sicheren Rahmen, diesen zu erfüllen.“ Bewerbungsgespräche mit Interessierten, regelmäßiger Austausch innerhalb der Gruppe, Fortbildungsmöglichkeiten und eine verlässliche Koordination gehören deshalb ebenso zum Angebot wie die Anerkennung und Wertschätzung des ehrenamtlichen Engagements.
Denn die Offene Sprechstunde lebt von Menschen, die bereit sind, ihre Zeit zu schenken und anderen aufmerksam zu begegnen.
Seelische Gesundheit beginnt mit dem Gespräch
Im Rahmen der Woche der seelischen Gesundheit richtet sich der Blick besonders auf die Frage, was Menschen dabei unterstützt, psychisch gesund zu bleiben und mit Belastungen umzugehen.
Die Offene Sprechstunde zeigt: Ein Gespräch kann ein wichtiger erster Schritt sein. Sich jemandem anzuvertrauen, Gedanken auszusprechen und mit den eigenen Sorgen nicht allein zu bleiben, kann entlasten und neue Perspektiven eröffnen.
Dabei muss nicht immer sofort eine Antwort gefunden werden. Manchmal ist es bereits hilfreich, wenn jemand da ist, Zeit hat und wirklich zuhört.
Die Offene Sprechstunde der Rostocker Stadtmission möchte genau diesen Raum schaffen: Zeit zum Gespräch, ein offenes Ohr und einen geschützten Rahmen für Menschen, die mit ihren Fragen und Sorgen nicht allein bleiben möchten.
Die offene Sprechstunde findet freitags, von 14 bis 16 Uhr in der Bergstraße 10, 18057 Rostock statt.
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