Themenreihe Wünsche nach assistiertem Suizid
Rostocker Stadtmission eröffnet Themenreihe im Treffpunkt
Fynn ist 27 Jahre alt. Vor vier Jahren stürzte er aus einem Fenster und ist seitdem vollständig querschnittgelähmt. Lediglich zwei Finger seiner linken Hand kann er noch bewegen. Hinter ihm liegen mehrere Suizidversuche. Sein Lebensweg wirft schwierige Fragen auf: Wie kann ein Mensch mit einer schweren, dauerhaft veränderten Lebenssituation begleitet werden? Welche Wünsche dürfen geäußert werden? Welche Möglichkeiten haben Medizin und Pflege – und wo liegen ethische, rechtliche und gesellschaftliche Grenzen?
Mit solchen Fragen beschäftigen wir uns als Rostocker Stadtmission in unserer Themenreihe „Wünsche nach assistiertem Suizid“, die 2026/27 verschiedene Perspektiven auf ein gesellschaftlich und innerhalb der kirchlichen Arbeit intensiv diskutiertes Thema eröffnen möchte.
Informieren, Perspektiven öffnen und Raum für Austausch schaffen – das ist der Anspruch der Rostocker Stadtmission. Ausgangspunkt für die Themenreihe war die interne Auseinandersetzung mit Fragen, die unsere Mitarbeitenden insbesondere in der Altenhilfe und Hospizarbeit beschäftigen. Menschen in diesen Arbeitsfeldern werden mit Krankheit, Sterben, Leid, Lebenskrisen und auch mit dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Lebensende konfrontiert. Die Stadtmission möchte deshalb einen Raum schaffen, in dem medizinische, juristische, ethische und persönliche Perspektiven miteinander ins Gespräch kommen können.
Der erste Abend der Reihe fand am 6. Oktober von 17.30 bis 19.30 Uhr im Treffpunkt in der Bergstraße statt und stieß auf großes Interesse: Rund 60 Gäste kamen, um sich zu informieren und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Den medizinischen Impuls gab Dr. med. Ursula Kriesen, Oberärztin für Anästhesie mit dem Schwerpunkt Palliativmedizin an der Universität Rostock. Moderiert wurde der Abend von Manja Potts von der Diakonie Mecklenburg-Vorpommern.
Dr. Kriesen gab einen spannenden und zugleich sehr persönlichen Einblick in ihre Arbeit als Palliativmedizinerin und schilderte die Bedingungen, unter denen palliativmedizinische Versorgung heute stattfindet. Anhand verschiedener Fallbeispiele erläuterte sie, welche Möglichkeiten Ärztinnen und Ärzte haben, mit dem Wunsch eines Menschen nach einem assistierten Suizid umzugehen und unter welchen Voraussetzungen entsprechende medizinische Entscheidungen getroffen werden können.
Dabei wurde deutlich, wie komplex die Situationen sind, in denen ein solcher Wunsch entsteht. Neben medizinischen Fragen spielen immer auch die individuelle Lebenssituation, persönliche Vorstellungen, Ängste und die Möglichkeiten palliativer Begleitung eine Rolle.
Im Anschluss an den Vortrag folgte eine Podiumsdiskussion mit Reinhard Behrens, Vorstand der Rostocker Stadtmission, und Katharina Gladisch, Leiterin Christliches Profil der Rostocker Stadtmission. Auch das Publikum beteiligte sich mit interessierten und teilweise sehr persönlichen Fragen an der Diskussion. Schnell entwickelte sich ein intensiver Austausch über die unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema.
Besonders passend: Auch Prof. em. Dr. Christoph Sowada von der Universität Greifswald, Referent des kommenden Abends, war bereits als Gast unter den Zuhörenden. Er beteiligte sich rege am Austausch und gab zugleich einen ersten Vorgeschmack auf seinen juristischen Impuls.
Der zweite Abend der Themenreihe findet am 10. November statt. Dann wird Prof. Sowada die rechtlichen Aspekte des Themas beleuchten.
Der große Zuspruch und die zahlreichen Fragen zeigten: Das Thema bewegt. Der Auftakt hat deutlich gemacht, dass es einen Bedarf an Information, Orientierung und offenem Austausch gibt.
Wir freuen uns deshalb auf die weiteren Abende der Themenreihe und auf die Fortsetzung des Dialogs über einen Bereich, der Menschen existenziell berührt und zugleich viele gesellschaftliche, medizinische, rechtliche und christlich-ethische Fragen aufwirft.
Weitere Termine
10.11.2026
Prof. Dr. Christoph Sowada, Lehrstuhl für Straf- und Strafverfahrensrecht, Uni Greifswald
27.01.2027
Pastor Florian-Sebastian Ehlert, Referent für Psychodynamische Seelsorge, Arbeitsstelle Ethik im Gesundheitswesen der Nordkirche, Hamburg
10.03.2027
Eine Perspektive aus der Pflegepraxis
26.05.2027
Frau Dr. med. Beate Werning, Münster, Chirurgin, Notärztin, Medizinethikerin, Gründerin von AESAM – Ärztliche Suizidprävention und -assistenz, Münster
Jeweils 17.30 Uhr bis 19.30 Uhr im Treffpunkt Diakonie, Bergstraße 10, 18055 Rostock
Wir laden ein zu einem gemeinsamen Austausch- und Diskussionsabend mit einem Impulsvortrag, einer Podiumsdiskussion und Publikumsgespräch.
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